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Bluten für die Südkurve

Es geht um ihre Fußball-Heimat, um ihre geliebte Fankurve im Ernst Abbe Sportfeld. Aktuell gibt es konkrete Umbaupläne für ein neues, modernes Jenaer Stadion. Doch sowohl die Stadt als auch die Sicherheitsbehörden bevorzugen eine Stadionvariante, welche das Ende der Südkurve bedeuten würde. Die Bauplanung sieht aktuell keine Fankurve mehr im Süden sondern im Norden des Stadions vor. Den Jenaer Fans würde so ihre traditionelle Fankurve verloren gehen. Grund dafür ist, dass man Heim- und Gästefans bei der Anreise voneinander trennen will, um Konflikte zu vermeiden.

Spendenaktion „Südkurve bleibt!“

Toni Schley, der Initiator der Spendenaktion „Südkurve bleibt!“ ist der Meinung, dass bei der Planung des neuen Stadions keinerlei Rücksicht auf Traditionen und gewachsene Strukturen der Fans gelegt wird. Deshalb riefen die aktiven Fans des Fußballclubs zu einer bis dato weltweit einzigartigen Aktion auf – sie entwickelten eine Crowdfunding Kampagne. Unter dem Motto „CrowdFANding“ ist es ihr Ziel, möglichst viele Unterstützer zu finden, um mit dem Spendenerlös den möglichen Mehrkostenanteil zu leisten, der entsteht, wenn die Fans ihre Südkurve behalten dürfen. Auch auf dem eigenen youtube-Kanal machen die Organisatoren Werbung für ihr Projekt. Bis August 2016 konnten durch die Spendenaktion über 100.000 Euro zusammen getragen werden.

Interviewauszug, Thüringische Landeszeitung, 22.06.2016

Wir schauen direkt auf die Südkurve. Wieso ist es für die Jenaer Fans so wichtig, auch in Zukunft dort und nicht gegenüber in der Nordkurve zu stehen?

Toni Schley: Die Südkurve ist über die Jahre im Umfeld des FCC zu einer Marke geworden, die nicht mehr wegzudenken ist. Die vielen jungen und junggebliebenen Leute, die regelmäßig in die Kurve gehen, identifizieren sich sehr mit ihrer Kurve und eben auch diesem Begriff "Südkurve". Für die meisten unter uns ist es nicht vorstellbar, dass wir jetzt einfach ausgetauscht werden.

Aus welchen Gründen sollen die FCC-Fans ihre Südkurve verlassen?

Schley: Der Hauptgrund ist die Sicherheit. Die Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass es günstiger ist, wenn nur die Gästefans in der Südseite des Stadions stehen. Weil es den Einsatzkräften einfacher fällt, den Gästefans dort auf sicherem Wege hinzubringen. Das ist auch der Grund, warum die Heim- und Gästefans zurzeit in der Südkurve nebeneinander stehen.

Wie viel Geld braucht es, um ein alternatives Sicherheitskonzept auf die Beine zu stellen?

Schley: Das Sicherheitskonzept wird parallel schon eine ganze Weile diskutiert und hat mit dem Geldsammeln letztendlich nichts zu tun. Aktuell fahren wir gemeinsam mit Vertretern der Stadt durch Deutschland und schauen uns an, wie in anderen Stadien mit ähnlichen baulichen Voraussetzungen die Sicherheit gewährleistet wird. Sehr interessant ist das Beispiel Union Berlin für uns.

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Video "CrowdFANding - SÜDKURVE BLEIBT!"

„Bluten für die Südkurve“ – Eine Kooperation mit der Haema AG

Aus dieser Situation hat sich eine Kooperation mit dem Haema Blutspendedienst ergeben. Unter dem Motto „Bluten für die Südkurve“ konnten alle Spender im Blutspendezentrum Jena ihre Aufwandsentschädigung in Höhe von 20 Euro an die CrowdFANding Kampagne spenden. FC Carl Zeiss Jena Fans aus Berlin, München und ganz Thüringen beteiligten sich an der Aktion. Wichtig ist vor allem, dass Spender, die an der Aktion teilgenommen haben, ihren Freunden, Bekannten und Verwandten davon erzählen und weitere Menschen zum Spenden motivieren, sagt Mitorganisator Toni Schley.

Bereits zu Beginn der CrowdFANding Kampagne und besonders mit wachsendem Erfolg der Aktion interessierte sich auch die Presse enorm für das Vorhaben der Jenaer Fans. Zahlreiche Interviews, Presseberichte und Unterstützungsschreiben waren die Folge.

Crowdfunding trifft Forschung

Auch das Fraunhofer Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie Leipzig begleitet die Aktion der Jenaer Fußball Fans wissenschaftlich. Dr. Robin Bürger, der selbst Vereinsmitglied des FC Carl Zeiss Jena ist, erforscht mit weiteren Experten, woher die Spender der Kampagne kommen und ob eine derartige Aktion auf andere Sportarten übertragbar ist. Ein großes Ziel der Forschung sei es, die Wirtschaft bei solchen Aktionen mit zu integrieren und durch attraktive Gewinne oder Wetten den Anreiz für Bürger zu steigern, daran teilzunehmen und zu spenden. In einem Interview stellte Dr. Bürger fest, dass der „CrowdFANding“ Kampagnenstart mit 36.000 Euro und 3.000 Facebook-Likes deutlich die Erwartungen überstiegen hat und das Projekt somit durchaus tragfähig und ein interessanter Faktor für die Forschung ist.